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| Rittertum |
Ritter
Als neue Form adliger Lebensweise bildete sich das Rittertum, der Stand der berittenen und gepanzerten Kämpfer im Laufe des Mittelalters heraus. Ursprünglich geht der Ritterstand auf ein schlagkräftiges Heer gut ausgerüsteter berittener Krieger zurück, das die Karolinger im 8. bzw. 9. Jahrhundert aufstellten.
Das Lehnswesen
Zwischen kirchlicher und weltlicher Macht, Kaisertum und Papsttum gehörte der Ritter, der überwiegend militärische Funktionen erfüllte, zu den prägenden Kräften der mittelalterlichen Gesellschaft. Grundlage der mittelalterlichen Werteordnung war ein hierarchisch gegliedertes Ständesystem, das sich nicht auf Flächenstaaten mit festen Grenzen, sondern durch Lehnseid verknüpfte Personenverbände gründete. Der Ritter war seinem Lehnsherrn - das konnte ein Fürst, ein Herzog oder der König oder Kaiser sein - zur Gefolgschaft bei Fehden und zum Kriegsdienst verpflichtet. Im Gegenzug erhielt er als wirtschaftliche Grundlage Land mitsamt den bewirtschaftenden Bediensteten, das sogenannte Lehen. Der Ritter musste das Land für seinen Herrn verwalten. Diese gesellschaftliche und rechtliche Verbindung wurde durch eine öffentliche Zeremonie, einen Schwur bekräftigt.
Während der Ritter zunächst nur Krieger und Kämpfer war, bildete sich im Hochmittelalter immer mehr ein "ritterliches Ideal" heraus. Es zeichnete sich durch einen speziellen Ehren- und Verhaltenskodex aus. Entscheidend waren drei Aspekte, die alle den Begriff des Dienens ins Zentrum stellten: Waffendienst, Gottesdienst und Minnedienst. Die Dichtung der ritterlichen Minnesänger formte und idealisierte die Lebensformen des Adels; auf den mittelalterlichen Burgen bildete wiederum der Adel das Publikum des Dichters, dessen Werk so fester Bestandteil des ritterlich-höfischen Lebens war, ebenso wie die Turniere.
Die Ausbildung zum Ritter
Um in den Stand eines Ritters erhoben zu werden, musste ein junger Adliger einen genau vorbestimmten Lebensweg beschreiten. Bis zu seinem siebten Lebensjahr blieb der Sohn eines Ritters zunächst in der Obhut seiner Mutter. Hier erlernte er die grundlegenden Begriffe der christlichen Religion. Als Page kam er auf die Burg eines befreundeten Ritters. In der Umgebung der Edelfrau wurde er in der feinen, höfischen Sitte unterrichtet. Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr stand er als Edelknabe in ihren Diensten. In der Umgebung von Geistlichen, fahrenden Sängern oder altbewährten Knappen wurden ihm Kenntnisse in der Bibelgeschichte vermittelt. Aber auch musische Fähigkeiten wie Gesang und Saitenspiel standen auf seinem Lehrplan. Je älter der Knabe wurde, desto mehr lag das Augenmerk auf der Ausbildung seiner körperlichen Gewandtheit. Dazu gehörten Laufen, Schwimmen Reiten und natürlich der Gebrauch von Waffen, der Armbrust, des Schildes und Schwertes.
Ab dem vierzehnten Lebensjahr wurde er durch Umgürtung mit dem Schwerte wehrhaft gemacht und trat in den Stand der Knappen. Nun lernte er verschiedene Jagdkünste, Vögel und Hunde abzurichten. Gleichzeitig war er der Waffenträger des Ritters; er sorgte für die Reinhaltung und den Glanz der Rüstung und Waffen, beaufsichtigte die Rüstkammer, besorgte die Pferde des Herrn, begleitete ihn auf die Jagd, zum Turnier und in den Krieg. Er musste seine Befähigung zum Ritter unter Beweis stellen.
Wenn der Knappe seine Knappschaft erfolgreich bestanden hatte, wurde er - gewöhnlich mit 21 Jahren - in einer feierlichen Zeremonie, der "Schwertleite", zum Ritter geschlagen. Am Tag vor der Schwertleite nahm der Jüngling ein Bad, das die Reinigung von allen Sünden symbolisierte. Die Nacht verbrachte er fastend und betend in der Burgkapelle. Am frühen Morgen besuchte er eine Messe, und der Geistliche segnete ihn. Erst danach wurde er durch den Ritterschlag in den Stand des Ritters erhoben.
Pferd und Waffen, vor allem aber das Schwert waren die Symbole der Ritterschaft: Sie durften einem Ritter auch dann nicht abgenommen werden, wenn sein sonstiger Besitz verschuldet war. Durch moderne Waffentechnik wie die Nutzung des Schießpulvers zu Beginn der Neuzeit wurde der Kampf Mann gegen Mann allmählich verdrängt. Das Ende des Rittertums war damit besiegelt.
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